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 ERZÄHLUNGEN

 

Eisen- und Haushaltshandlung Josef Forster

Und wieder ist ein gewohntes Bild verschwunden. Mitte des Jahres 2008 wurde der legendäre Laden "Eisen- und Haushaltshandlung Josef Forster" am Rotkreuzplatz geräumt und zwar endgültig. In ganz München war dieser einmalige Laden bekannt. Man konnte dort auch nur "eine" Schraube kaufen und nicht gleich 20 Stück, die dann im Schrank verschwanden und man sie natürlich nie wieder fand, wenn man wieder eine brauchte. Es gab nichts, was man nicht bekam bei Forster. Für jedes Haushaltsproblem gab es eine Lösung. Sei es die Beseitigung oder Umleitung einer Ameisenstraße auf dem Balkon oder Terrasse sowie Vertreibung der Tauben, die sich auf dem Balkon unerwünscht tummelten oder man benötigte einen Vorhangring, weil beim Waschen einer Abhanden gekommen war. Auch Bastelmaterial für große und kleine Hobbybastler fand man in dem Sortiment des Ladens. Das Beste an dem Laden war, dass man auch noch ausführlich beraten wurde. Nun ja, dies ist leider vorbei. Seien wir doch mal ehrlich, irgendwie hatte dieser Nachkriegsbau etwas "Gemütliches". Er gehörte zum Bild des Rotkreuzplatzes, wie das gegenüber gelegene Jagdschlössl.

Die Institution "Forster" gab es ja immerhin seit dem Jahr 1881. Damals befand sich der Laden allerdings noch im Gebäude der Winthirapotheke gegenüber. Der Laden wurde von Bäckermeister Korbinian Forster und seiner Frau Barbara gegründet und zwar als Gemischtwarengeschäft mit Bäckerei. Damals waren die Forsters sogar Vermittler von Kranken zum Doktor. Dies gestaltete sich so, dass die Forsters bei Bedarf eine rote Fahne heraushängen ließen und als der Arzt, der täglich vom Schloss Nymphenburg nach Neuhausen kam, dies sah, konnte er nachfragen, wo er benötigt wurde.
Der Sohn Josef Forster übernahm 1912 den Laden, das sich dann schon an der Nymphenburger Straße 155 a (heute Rotkreuzplatz 1) befand und als Kolonialwaren-, Eisenwaren- und Zigarrengeschäft geführt wurde.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde es umgewandelt in ein Spezialgeschäft für Haushalts- und Eisenwaren, Glas und Porzellan. Bis 1945 befand sich im selben Gebäude die Bayerische Vereinsbank und die Bäckerei Wagner. Auch ein Laden der jüdischen Familie Löwentritt befand sich in dem Haus.
Im zweiten Weltkrieg wurde das damalige Gebäude zerstört und nach dem Krieg entstand der Behelfsbau, so wie wir ihn bis jetzt kannten. Eduard Buchberger sen. übernahm 1952 den Laden und führte ihn im Sinne der Familie bis zuletzt weiter. (Den geschichtlichen Hintergrund habe ich aus der Sonderausgabe der Geschichtswerkstatt Neuhausen zum Rotkreuzplatz aus dem Jahr 2001 entnommen).


Foto mit freundlicher Genehmigung von B. Neudek des Webblogs stadtneurotiker.org


 Blick von oben: links sieht man den flachen Behelfsbau, din dem sich der Forster befand

Nun soll der Behelfsbau abgerissen werden und ein 5-stöckiges Büro- und Geschäftshaus entstehen. Auch ein Dachgeschoss und zwei Tiefgeschosse wird das Gebäude erhalten - eine Tiefgarage wird an der Nymphenburger Straße über einen Parklift zu erreichen sein. Das Haus wird eine beige Kunststeinfassade erhalten. Eigentlich sollte ja schon längst mit dem Bau begonnen werden, deshalb mussten auch Mitte 2008 die Mieter der Läden schon ausziehen. Daher befinden sich bis jetzt dort einige "Übergangsmieter". Die Stadt München war mit dem damaligen Entwurf des Gebäudes nicht zufrieden und die Investoren mussten einen Wettbewerb ausschreiben. Mitte Dezember 2008 wurde er entschieden. Gewonnen hat ihn das Architektenteam Frick Krüger Nusser, Plan 2 GmbH. Nun wartet man noch auf die Baugenehmigung und wenn alles gut geht, wird dieses Jahr mit dem Bau begonnen.
Einen ausführlichen Artikel des Neuhauser-Nymphenburger Anzeigers dazu finden Sie unter folgendem Link. Dort ist auch ein Bild des geplanten Gebäudes zu sehen.

Einen weiteren Bericht zur Schließung des "Forsters" finden Sie auch unter folgendem Link.

geschrieben im Februar 2009

 

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